Teilen und herrschen

George Friedman, Direktor des größten privaten US-Spionageunternehmens Stratfor Intelligence, am 4.2.2015 auf einer Tagung  des “ChicagoCouncil of Global Affairs”:

Jedenfalls sind wir jetzt zurück zum alten Spiel. Und wenn Sie einen Polen, Ungarn oder Rumänen fragen, sie leben in einer ganz anderen Welt als die Deutschen, und die Deutschen leben in einer ganz anderen Welt als die Spanier, also es herrscht Uneinigkeit in Europa…

Die Politik, die ich empfehlen würde, ist die, die Ronald Reagan angewendet hat, in Iran und Irak. Er unterstützte beide Kriegsseiten, sodass sie gegen einander kämpften (Iran-Irak-Krieg 1980-88) und nicht gegen uns. Es ist zynisch, es war nicht moralisch vertretbar, aber es funktionierte. Und das ist der Punkt: Die Vereinigten Staaten sind nicht in der Lage, ganz Eurasien zu okkupieren… Wir können eine Armee zerschlagen, aber wir sind nicht in der Lage, Irak zu besetzen…

Es bedarf dieser „Empfehlung“ nicht, denn es ist us-amerikanische Praxis. Auch wenn wir in letzter Zeit wenig aus dem mittleren Osten hören, das wenige ist erhellend genug:

Der Irak berichtete bereits im Januar über Abwürfe von Waffen und Nahrungsmitteln für die ISIL in Salahuddin, der Al-Anbar und der Diyala Provinz, darunter High-Tech Waffensystemen wie Flugabwehrsysteme. Ende Februar wurden 2 britische Flugzeuge in der irakischen Provinz Anbar abgeschossen, die Waffen für ISIS-Milizen liefern sollten. Irakische Schlussfolgerungen:

  • Die US-geführte Koalition ist die Hauptursache für das Überleben von ISIL im Irak sei. “Die internationale Koalition ist nur ein Vorwand für den Schutz der ISIL und die Unterstützung der Terrorgruppe mit Ausrüstung und Waffen.”
  • Die USA und die internationale Koalition “machen nicht Ernst im Kampf gegen die ISIL Organisation, denn wenn sie ihre technologischen Möglichkeiten tatsächlich ausnützen würden, wäre die ISIS in einem Monat zerstört.”
  • Gharawi fügte hinzu: “Die USA versuchen, die Zeit des Konfliktes gegen die ISIL auszunutzen, um Garantien von der irakischen Regierung zu bekommen, ihre Militärbasen in den Provinzen Mosul und Anbar zu erweitern.”

Inzwischen wird auch in den USA die Kritik an der us-amerikanischen Aussen- und Militärpolitik immer stärker. Aber wenn einer der Kritiker meint,

„Das Problem ist, dass sie ihren Job schlecht machen… War schon der Irak keine ausreichende Lektion für uns, hätte es Ägypten sein müssen, und wenn nicht Ägypten, dann hätte es Libyen sein sollen, und wenn nicht Libyen, dann Syrien“,

dann irrt er. Friedman (siehe oben) hat es deutlich ausgesprochen: Es geht ja gerade darum, dass die Gruppierungen gegeneinander kämpfen. „Es ist zynisch, es war nicht moralisch vertretbar, aber es funktioniert“!

Damit es effizient und breit funktioniert, kommen auch in kaum noch überschaubarem Umfang private „Berater“ und private Söldnertruppen zum Einsatz. So berichtete unlängst die „junge Welt“ über eine Sicherheitsfirma »Söhne der Freiheit International«. Sie

„arbeitet demnach wie eine Nichtregierungsorganisation und wird rein aus Spendengeldern finanziert, um »verletzliche« Gemeinden mit »militärischer Beratung, Ausbildung im Kampf gegen Terrorismus, Aufständische und repressive Regime« beizustehen.“

Der Besitzer der „Sicherheitsfirma“, Matthew VanDyke, ist

„nach seinen Missionen in Libyen und in Syrien, wo er angeblich den Aufständischen der »Freien Syrischen Armee« geholfen haben will, … im Nordirak aufgetaucht, um christliche Milizen im Antiterrorkampf auszubilden. Angeblich wird er dafür von christlichen Gruppen im Ausland, vor allem in den USA, bezahlt. Der Name der neuen Kampftruppe wird mit »Verteidigungseinheit der Niniveh-Ebene« (NPU) angegeben.

Finanziert wird die Ausbildung der christlichen Milizen von einer »Amerikanisch-Mesopotamischen Organisation« (AMO), die wiederum ihr Geld von Assyrern erhält, die im Ausland leben. Eigenen Angaben zufolge hat die Organisation mit der Kampagne »Niniveh jetzt zurückerobern« seit Dezember 2014 mehr als 250.000 US-Dollar aufgebracht, um die NPU-Miliz auf- und auszurüsten…“

Es gehört zum zynischen, unmoralischen Vorgehen der USA, in nachen Osten wieder Munition aus abgereichertem Uran (Depleted Uranium – DU) einzusetzen.

„Die Internationale Kampagne zum Verbot von Uranwaffen berichtete Ende Februar, dass sich Abgeordnete aus Belgien, den Niederlanden und Großbritannien bei ihren Regierungen erkundigt haben, ob bei dem Einsatz der US-geführten Koalition, der die genannten Staaten angehören, auch DU-Munition eingesetzt werde. Die niederländische Regierung räumte diese Möglichkeit ein, das belgische Verteidigungsministerium erklärte, ihm lägen diesbezüglich keine Informationen vor. Man könne es aber auch nicht ausschließen. Die britische Regierung antwortete, dass sie mit den Partnern nicht über die bei Kampfeinsätzen verwendete Munition rede. Das sei Angelegenheit des jeweiligen Staates“ (ebenda).

Abschließend ein Vergleich:

„Die US-Streitkräfte beziffern die bisherigen Gesamtkosten ihrer neuen »Antiterroroperation« im Irak mit 1,5 Milliarden US-Dollar.“ (ebenda)

In der Ukraine haben die USA in den rückliegenden Jahren bereits 5 Milliarden US-Doller eingesetzt, nur für die zivile Destablisierung, noch ohne die teure Kriegstechnik. Was für ein Aufwand!

Siehe auch Rainer Rupp: “War erst einmal ein Staat als neues Ziel ausgewählt, hatte die Dämonisierung des Gegners höchste Priorität…”

 

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