Category: Ukraine

Teilen und herrschen

George Friedman, Direktor des größten privaten US-Spionageunternehmens Stratfor Intelligence, am 4.2.2015 auf einer Tagung  des “ChicagoCouncil of Global Affairs”:

Jedenfalls sind wir jetzt zurück zum alten Spiel. Und wenn Sie einen Polen, Ungarn oder Rumänen fragen, sie leben in einer ganz anderen Welt als die Deutschen, und die Deutschen leben in einer ganz anderen Welt als die Spanier, also es herrscht Uneinigkeit in Europa…

Die Politik, die ich empfehlen würde, ist die, die Ronald Reagan angewendet hat, in Iran und Irak. Er unterstützte beide Kriegsseiten, sodass sie gegen einander kämpften (Iran-Irak-Krieg 1980-88) und nicht gegen uns. Es ist zynisch, es war nicht moralisch vertretbar, aber es funktionierte. Und das ist der Punkt: Die Vereinigten Staaten sind nicht in der Lage, ganz Eurasien zu okkupieren… Wir können eine Armee zerschlagen, aber wir sind nicht in der Lage, Irak zu besetzen…

Es bedarf dieser „Empfehlung“ nicht, denn es ist us-amerikanische Praxis. Auch wenn wir in letzter Zeit wenig aus dem mittleren Osten hören, das wenige ist erhellend genug:

Der Irak berichtete bereits im Januar über Abwürfe von Waffen und Nahrungsmitteln für die ISIL in Salahuddin, der Al-Anbar und der Diyala Provinz, darunter High-Tech Waffensystemen wie Flugabwehrsysteme. Ende Februar wurden 2 britische Flugzeuge in der irakischen Provinz Anbar abgeschossen, die Waffen für ISIS-Milizen liefern sollten. Irakische Schlussfolgerungen:

  • Die US-geführte Koalition ist die Hauptursache für das Überleben von ISIL im Irak sei. “Die internationale Koalition ist nur ein Vorwand für den Schutz der ISIL und die Unterstützung der Terrorgruppe mit Ausrüstung und Waffen.”
  • Die USA und die internationale Koalition “machen nicht Ernst im Kampf gegen die ISIL Organisation, denn wenn sie ihre technologischen Möglichkeiten tatsächlich ausnützen würden, wäre die ISIS in einem Monat zerstört.”
  • Gharawi fügte hinzu: “Die USA versuchen, die Zeit des Konfliktes gegen die ISIL auszunutzen, um Garantien von der irakischen Regierung zu bekommen, ihre Militärbasen in den Provinzen Mosul und Anbar zu erweitern.”

Inzwischen wird auch in den USA die Kritik an der us-amerikanischen Aussen- und Militärpolitik immer stärker. Aber wenn einer der Kritiker meint,

„Das Problem ist, dass sie ihren Job schlecht machen… War schon der Irak keine ausreichende Lektion für uns, hätte es Ägypten sein müssen, und wenn nicht Ägypten, dann hätte es Libyen sein sollen, und wenn nicht Libyen, dann Syrien“,

dann irrt er. Friedman (siehe oben) hat es deutlich ausgesprochen: Es geht ja gerade darum, dass die Gruppierungen gegeneinander kämpfen. „Es ist zynisch, es war nicht moralisch vertretbar, aber es funktioniert“!

Damit es effizient und breit funktioniert, kommen auch in kaum noch überschaubarem Umfang private „Berater“ und private Söldnertruppen zum Einsatz. So berichtete unlängst die „junge Welt“ über eine Sicherheitsfirma »Söhne der Freiheit International«. Sie

„arbeitet demnach wie eine Nichtregierungsorganisation und wird rein aus Spendengeldern finanziert, um »verletzliche« Gemeinden mit »militärischer Beratung, Ausbildung im Kampf gegen Terrorismus, Aufständische und repressive Regime« beizustehen.“

Der Besitzer der „Sicherheitsfirma“, Matthew VanDyke, ist

„nach seinen Missionen in Libyen und in Syrien, wo er angeblich den Aufständischen der »Freien Syrischen Armee« geholfen haben will, … im Nordirak aufgetaucht, um christliche Milizen im Antiterrorkampf auszubilden. Angeblich wird er dafür von christlichen Gruppen im Ausland, vor allem in den USA, bezahlt. Der Name der neuen Kampftruppe wird mit »Verteidigungseinheit der Niniveh-Ebene« (NPU) angegeben.

Finanziert wird die Ausbildung der christlichen Milizen von einer »Amerikanisch-Mesopotamischen Organisation« (AMO), die wiederum ihr Geld von Assyrern erhält, die im Ausland leben. Eigenen Angaben zufolge hat die Organisation mit der Kampagne »Niniveh jetzt zurückerobern« seit Dezember 2014 mehr als 250.000 US-Dollar aufgebracht, um die NPU-Miliz auf- und auszurüsten…“

Es gehört zum zynischen, unmoralischen Vorgehen der USA, in nachen Osten wieder Munition aus abgereichertem Uran (Depleted Uranium – DU) einzusetzen.

„Die Internationale Kampagne zum Verbot von Uranwaffen berichtete Ende Februar, dass sich Abgeordnete aus Belgien, den Niederlanden und Großbritannien bei ihren Regierungen erkundigt haben, ob bei dem Einsatz der US-geführten Koalition, der die genannten Staaten angehören, auch DU-Munition eingesetzt werde. Die niederländische Regierung räumte diese Möglichkeit ein, das belgische Verteidigungsministerium erklärte, ihm lägen diesbezüglich keine Informationen vor. Man könne es aber auch nicht ausschließen. Die britische Regierung antwortete, dass sie mit den Partnern nicht über die bei Kampfeinsätzen verwendete Munition rede. Das sei Angelegenheit des jeweiligen Staates“ (ebenda).

Abschließend ein Vergleich:

„Die US-Streitkräfte beziffern die bisherigen Gesamtkosten ihrer neuen »Antiterroroperation« im Irak mit 1,5 Milliarden US-Dollar.“ (ebenda)

In der Ukraine haben die USA in den rückliegenden Jahren bereits 5 Milliarden US-Doller eingesetzt, nur für die zivile Destablisierung, noch ohne die teure Kriegstechnik. Was für ein Aufwand!

Siehe auch Rainer Rupp: “War erst einmal ein Staat als neues Ziel ausgewählt, hatte die Dämonisierung des Gegners höchste Priorität…”

 

Ukraine: Daniela Dahns Weimarer Rede 2014

Es ist schwer, die Ereignisse in der Ukraine und um sie herum zu reflektieren. Daniela Dahn versucht es in ihrer Weimarer Rede 2014 zum Thema „Verderbnis der Idee durch ihre Verwirklichung“. Die Rede ist heute (5.4.) in „neues deutschland“ auszugsweise dokumentiert. Der Artikel steht aber leider nur Abonnenten zur Verfügung. Angesichts der Bedeutung des Themas für alle Friedensaktivisten zitiere ich nachstehend aus der Publikation:

„Die dramatischen Ereignisse in der Ukraine lassen die Frage der Selbstermächtigung der Bürger in neuem Licht erscheinen. Ist der Maidan ein akzeptables Modell? Daran hat der Westen nie einen Zweifel gelassen. Mit dem Wissen aber wächst der Zweifel…

Wer immer am Anfang und am Ende auf dem Platz war – die Aktivisten verband, bei den letzten Wahlen unterlegen gewesen zu sein. Klitschkos Partei war weit abgeschlagen und auch Julia Timoschenko verlor in der Stichwahl. Die OSZE lobte den damaligen Urnengang laut »Spiegel« als »vorbildlich demokratisch«. Es sei ein Ergebnis der Revolution von 2004, dass in der Ex-Sowjetrepublik faire und freie Wahlen möglich seien. Victor Janukowitsch hatte oligarchische Züge, aber er war ein frei gewählter Präsident. Vermutlich gerade weil er sich als Brücke zwischen Russland und der EU anbot…

Im Juni 2013 drückte der frühere US-Botschafter in der Ukraine, Steven Karl Pifer, Verständnis für Janukowitsch aus, er stünde vor einer schwierigen Entscheidung: Weder Kiew noch Brüssel habe einen Plan B für den Fall, dass das EU-Assoziierungsabkommen nicht unterzeichnet würde…

Was er nicht erwähnte: Auch hier handelt es sich um ein Freihandelsabkommen, das wichtige Teile der Regierungskompetenzen dem IWF unterstellt. Schon 2010 hat der Internationale Währungsfonds 15 Milliarden Dollar Finanzhilfen ausgesetzt, weil das ukrainische Parlament ein Gesetz zur Anhebung von Mindestlöhnen und Renten verabschiedet hatte. Das heißt, dem Parlament wird die Souveränität über den Haushalt entzogen und stattdessen eine Sparpolitik aufgezwungen, die griechische Ausmaße annehmen kann. Das Abkommen war bisher unter anderem an der IWF-Forderung gescheitert, die Heizkosten nicht mehr zu subventionieren, sie also zu verdoppeln.

Wie autonom sind frei gewählte Regierungen, das zu tun, was sie für richtig halten? Wo kommen wir hin, wenn eine aktive, gut finanzierte Minderheit bei Missbilligung doch einen Plan B hat und gleich zum Staatsstreich greift? Wenn von Wahlen als Grundlage politischer Macht abgegangen wird? Zumal Janukowitsch bei Ausbruch der Proteste die Opposition zum Dialog an den Runden Tisch gebeten hat. Was Klitschko ablehnte…

In Deutschland werden häufig Abkommen unterzeichnet, die von der Bevölkerung mehrheitlich abgelehnt werden – Vorratsdatenspeicherung, Hartz IV, Rente mit 67, Krieg in Afghanistan, Export von Rüstung in Krisengebiete, generell von Uranmunition und Streubomben … Eine gewählte Regierung darf das in der repräsentativen Demokratie. Das ist zweifellos ein Problem dieser Demokratieform… Wenn das freie Mandat aber, bei dem Abgeordnete und Politiker sich ausschließlich ihrem Gewissen verpflichtet fühlen sollen, in westlichen Demokratien selbstverständlich ist, muss man es auch anderswo akzeptieren. Stoppen kann man einen Kurs dann erst wieder bei den nächsten Wahlen. Oder ist Selbstermächtigung jenseits der Verfassung zu akzeptieren? Dies wäre ein Rückfall ins Chaos des Naturrechts.

Der Westen verkörpert die Moderne: Man annektiert nicht Territorien, sondern Märkte. Auf der Berliner Mauer prangte 1990 ein Graffito: »Das Kapital ist schlauer, Geld ist die Mauer.« Man gibt Kredite mit Auflagen, zurück bleiben Konzerne mit Gewinngarantie. Man verteidigt seine Sicherheit in aller Welt, man begreift seine Souveränität als Schutzverantwortung für strategisch und wirtschaftlich interessante Gebiete, zurück bleiben Protektorate, Geheimdienst- und Militärstützpunkte. Allein die USA haben 1000 solcher Stützpunkte auf der ganzen Welt…

Inzwischen hat Arsenij Jazenjuk, der im ukrainischen Parlament die nötigen Stimmen zur Wahl zum neuen Ministerpräsidenten knapp verfehlt hat, aber dennoch amtiert, den politischen Teil des Abkommens unterzeichnet. Plötzlich konnte auch die EU nicht mehr wenige Wochen warten, bis die Ukraine eine durch Neuwahlen legitimierte Regierung hat…

Bei der Präsidentschaftswahl 2010 kandidierte er, die »Financel Times« bezeichnete ihn als Favoriten der Amerikaner. Doch mit 6,7 Prozent erhielt er eine Abfuhr. Daraufhin konzentrierte er seine Aktivitäten auf die von ihm gegründete Stiftung Open Ukraine.

Unlängst ging Aufregung durchs Netz, weil gerade jetzt deren Website abgeschaltet war. Findige Rechercheure holten durch die Waybackmachine alles wieder ans Netzlicht. Woraufhin Jazenjuk seine Seite weitgehend wiederbelebte, und jeder auf openukraine.org sich nun selbst ein Bild über seine Finanziers machen kann: Das sind das US Außenministerium sowie diverse US-amerikanische und britische Stiftungen und Konzerne wie Rockefeller, die EU und die Konrad-Adenauer-Stiftung und schließlich die NATO höchst selbst mit ihrem NATO-Information and Documentation Centre…

Dabei schaut dann auch mal ein Generalsekretär der NATO in Kiew vorbei oder man schaltet im November 2013 per Video-Konferenz direkt ins NATO-Hauptquartier. Recht aktiv war auch der deutsche Botschafter in der Ukraine, Christoph Weil, der lange in hohen NATO-Ämtern gearbeitet hatte…

Bereits im Frühjahr 2013, kurz vor dem Besuch einer Swoboda-Delegation bei der NPD, hatte Weil sich mit dem Chef dieser rechtsextremen Partei, Oleg Tjahnybok, getroffen. Wie der offiziellen Website der Partei zu entnehmen ist, wurde in dem vertraulichen Gespräch bereits über den Sturz von Janukowitsch gesprochen. Der Faschisten-Chef empfahl dem Westen, die Janukowitsch-Regierung öffentlich zu verdammen und versicherte dem deutschen Botschafter, sein Bestes zu tun, damit das Abkommen unterzeichnet wird. Er hat Wort gehalten…”

Dahn verweist in ihrer Rede auch auch die die OTPOR-Strategie, gut dokumentiert auf Wikipedia.

Eine gute Nachricht – JETZT MITMACHEN!

Der Initiator der Ukraine-Petition, Herr Jürgen Reents, informiert heute (31.3.2014), dass die Petition nun doch noch online gestellt wurde.:

Liebe Freundinnen und Freunde,  

es hat lange gedauert: Die Petition mit der Forderung, jede Unterstützung der ukrainischen Regierung auszusetzen, solange dort Rechtsextremisten beteiligt sind und die Todesschüsse auf dem Maidan nicht unabhängig aufgeklärt werden, kann nun online unterzeichnet werden. Eine entsprechende Mitteilung des Petitionsausschusses erhielt ich heute früh, nachdem die vorherige Ablehnung Ende letzter Woche presseöffentlich gemacht wurde (s. anhängende Information im »nd«).   Die Petition – der Wortlaut hängt hier nochmal an – ist unter folgendem Link zur Mitzeichnung erreichbar: https://epetitionen.bundestag.de/content/petitionen/_2014/_03/_09/Petition_50550.html

Für etwaige Weiterverbreitung kann auch kürzer auf die Petitionsseite des Bundestags https://epetitionen.bundestag.de hingewiesen werden, dort die Petitions-ID 50550 in das Suchfeld eingeben.  

Ich danke allen, die mir bislang ihre Unterstützung des Anliegens signalisiert hatten, und bitte nun von der Online-Unterzeichnung Gebrauch zu machen. Hilfreich wäre darüber hinaus eine Weiterverbreitung über geeignete Websites und/oder andere Kanäle.  

Mit besten Grüßen  Jürgen Reents

Also mitzeichnen und weitersagen!

Deutsche Demokratie

Von einem engagierten Friedensaktivisten erhielt ich die nachstehenden Informationen. Der Sachverhalt ist bezeichnend für die Art von “Demokratie”, die der Bundestag pflegt:
#
Adressiert an bisherige Rückmelder zur Ukraine-Resolution betr. Todesschüsse auf dem Maidan und Rechtsextremisten in amtierender Regierung
#
Liebe Freunde,
 
ich gebe euch den Sachstand zur Ukraine-Petition zur Kenntnis: Der BT-Petitionsausschuss hat eine online-Veröffentlichung abgelehnt. Nach telefonischer Rückfrage und anschließendem Schreiben meinerseits (siehe nachfolgend) werde ich jetzt noch eine Antwort darauf abwarten. Laut Auskunft kann das eine Woche dauern… Sollte diese erneut negativ sein, ziehe ich die Petition beim BT zurück (klandestin als Einzelperson ist sinnlos), überlege aber, sie ggf. dann über das Portal openpetition laufen zu lassen. Eigentlich ist mir das alles zu aufschiebend und der Fokus längst woanders, andererseits bleiben beide Anlässe ein Skandal, solange sie fortbestehen.
 
Der Wortlaut im Ablehnungsschreiben ist: »Um Petitionen auf der Internetseite des Deutschen Bundestages sachgerecht präsentieren zu können, ist es erforderlich, dass das Anliegen eine lebhafte, aber auch sachliche öffentliche Diskussion erwarten lässt und die Darstellung des Anliegens hinreichend konkret, für unbefangene Dritte klar und verständlich sowie von einer entsprechenden Begründung getragen ist. Vor dem Hintergrund der vorgenannten Erwägungen konnte Ihrer Bitte, Ihre Eingabe auf der Internetseite des Petitionsausschusses zu veröffentlichen, leider nicht entsprochen werden.« Was aus dem mitgeteilten Strauß der genaue Vorbehalt ist (Anliegen nicht konkret, nicht klar und verständlich, nicht begründet, keine sachliche Diskussion zu erwarten), bleibt in diesem Schreiben ungenannt.
 
Beste Grüße
Jürgen
#
Unter diesen meinungseinschränkenden Bedingungen ist es geradezu erstaunlich, dass Gregor Gysi seine Rede im Bundestag halten konnte. Sie ist auf http://www.seniora.org/buecher-filme/filme/443-gregor-gysis-beeindruckende-rede-im-deutschen-bundestag-zur-ukraine dokumentiert.
#
Der Wortlaut der von Herrn Reents eingereichten Petition lautet:
#

Petition an den Deutschen Bundestag Aussetzung der finanziellen Unterstützung an die Ukraine Der Deutsche Bundestag möge beschließen: Die Bundesrepublik Deutschland leistet keine finanzielle oder andere Unterstützung an die amtierende Regierung der Ukraine, solange

(1) dieser Regierung Rechtsextremisten angehören;

(2) die Todesschüsse von Scharfschützen in Kiew nicht von einer unabhängigen Kommission untersucht werden.

Die Bundesregierung wird aufgefordert, diese Haltung auch in der Europäischen Union aktiv zu vertreten.

Begründung

(1) Die seit dem 27. Februar in der Ukraine regierende Koalition steht unter erheblichem Einfluss von Rechtsextremisten. Vier Minister in Kiew gehören der Swoboda an, einer Partei, die in Deutschland mit der NPD kooperiert und beobachtendes Mitglied der rechtsextremen „Allianz der Europäischen nationalen Bewegungen“ ist. Weitere Schaltstellen im Staatsapparat, so der Nationale Sicherheitsrat und die Generalstaatsanwaltschaft, wurden mit Swoboda-Funktionären und Kadern des Prawyj Sektor (Rechter Sektor) besetzt, einer paramilitärisch aufgebauten und antisemitisch hetzenden Organisation. Zweifellos ist es falsch, die ukrainische Regierung und die sie tragende Protestbewegung unisono als rechtsextrem zu denunzieren; sie repräsentieren in großen Teilen eine demokratisch motivierte Revolte gegen die autoritäre Herrschaft unter Präsident Janukowitsch. Aber das rechtfertigt nicht, Bündnisse mit Rechtsextremisten zu akzeptieren und diese mit Rat und Tat zu stützen. Egal in welchem Land sie existieren und wer sie schließt: Solche Bündnisse sind international zu stoppen.
(2) Im Verlauf der Proteste in Kiew wurden Dutzende Menschen getötet. Überwiegend ist von rund 80 Personen die Rede, die auf beiden Seiten der Auseinandersetzungen ums Leben kamen. Viele der Todesopfer gehen nach Augenzeugenberichten auf das Konto von Scharfschützen, deren Identität und Auftraggeber ungeklärt sind. In einem im Internet dokumentierten Telefonat zwischen der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton und dem Außenminister Estlands, Urmas Paet, beruft sich dieser auf die ukrainische Ärztin Olga Bogomolez, der zufolge dieselben Scharfschützen Demonstranten wie Polizisten getötet hätten. Es gebe den Verdacht, dass die Hintermänner dafür nicht im Lager des gestürzten Präsidenten Janukowitsch, sondern in der neuen Koalition zu suchen seien. Das estnische Außenministerium hat die Echtheit des Telefonats bestätigt, Frau Bogomoletz die ihr von Herrn Paet zugeschriebenen Schilderungen dementiert. Die sich widersprechenden Behauptungen bleiben irritierend. Welche Darstellung auch immer richtig ist: Die Todesschüsse und ihre Verantwortlichkeiten müssen von unabhängiger Seite untersucht werden. Nicht hinreichend und hinnehmbar für eine Aufklärung ist es, wenn die jetzige Regierung sie in eigener Regie führt, gar Institutionen oder Personen damit beauftragt, die unter dem Einfluss ihrer rechtsextremen Sektoren stehen.

(3) Die Europäische Union hat der ukrainischen Regierung erhebliche finanzielle Unterstützung zugesagt; die Bundesrepublik Deutschland ist an diesen Zusagen beteiligt. Die geforderte Aussetzung dieser Zusagen, solange die beschriebenen Zustände fortbestehen, rechtfertigt nicht zugleich die russische Intervention auf der Krim. Auch eine deutliche Kritik daran darf jedoch nicht bedeuten, einen Block mit Rechtsextremisten zu unterstützen und so weiteres Zündmaterial für Brandfackeln zu liefern, die derzeit zuhauf in der Ukraine und darüber hinaus herumgereicht werden.

beim BT eingereicht am 09.03.2014 / Jürgen Reents

Ukraine: Eine wichtige Erklärung

Der Bundesausschuss Friedensratschlag hat am  9. März 2014 eine sehr ausführliche, sehr klare Erklärung zur Situation abgegeben. Sie wurde auf der Webseite der AG Friedensforschung veröffentlicht und auch in der Zeitung “neues deutschland”, dort allerdings unter Weglassung von wichtigen Aussagen im Bereich der mehrzeiligen Überschrift:

Aus Einmischung kann Krieg werden
Friedensbewegung: Nicht Russland, der Westen ist das Problem
Stellungnahme des Bundesausschusses Friedensratschlag zur bedrohlichen Entwicklung in und um Ukraine

Da ist es wohl besser, die Erklärung im Original zu lesen.

Die Webseite des Friedensratschlags verweist auch auf eine dringende Petition: “Es sind handfeste Hinweise darüber aufgetaucht, dass die Scharfschützen auf dem Maidan, auf deren Konto zahlreiche Todesopfer gehen, im Auftrag von Hintermännern tätig waren, die heute in der Übergangsregierung in Kiew sitzen. Entsprechende Vorwürfe müssen unbedingt untersucht und aufgeklärt werden. Hintergründe erfahren Sie hier:
Waren Janukowitsch-Gegner Scharfschützen des Maidan?
Und hier geht es zur Petition“. Es ist zwar eine etwas unübliche Form, die Petition mitzuzeichnen, aber die kleine Mühe einer Email sollten wir auf uns nehmen und mitmachen.

Es geht weiter

Über einen Monat lang blieb der Blog ohne Einträge. Das hat verschiedene Ursachen. Zunächst „Genf II“: Vorbereitung und Verlauf waren recht substanzarm, da blieb den Medien wenig zur einseitigen bzw. falschen Berichterstattung und also auf diesem Blog wenig anzumerken.

Dann begann in der Ukraine die heiße Phase. Das Thema Syrien verschwand weitgehend aus den Medien, die Berichterstattung zur Ukraine überschlug sich. Schnell wurde klar, Russland hatte mit seiner Veto-Haltung den „Freunden Syriens“ das Wasser abgegraben und musste deshalb an anderer Stelle empfindlich „bestraft“ werden. Die Ukraine bot sich an, schließlich haben Kriegstreiber immer mehr als ein Eisen im Feuer (deshalb lässt man es ja auch in Venezuela weiter köcheln…).

Die Konzentration der „Freunde Syriens“ auf ihren neuen Freund ermöglichte den Syrern, in kleinen Schritten zu etwas Normalität zurück zu finden. Lokale Waffenstillstände halten weitgehend, aber eine nationale Versöhnung ist noch in weiter Ferne. So berichtet es Karin Leukefeld am 6.3. und am 8.3. aus Damaskus (wie mir denn generell die „junge Welt“ eine sehr objektive Quelle zum Geschehen in Syrien und andernorts erscheint).

Wie weiter mit diesem Blog? Die (Welt-) Kriegsdrohung kommt aktuell aus der Ukraine und insbesondere von den gleichen „Freunden“, die zuvor an und in Syrien so hemmungslos zündelten. Und die Öffentlich-Rechtlichen sowie die meisten anderen Medien berichten derzeit so einseitig und falsch über das Geschehen in der Ukraine, wie sie es vorher zu Syrien taten.

Wie also weiter mit diesem Blog? Ich habe mich entschieden, das Thema zu erweitern zu

Frieden für Syrien, Frieden für die Welt!

So wird es hier also auch Kommentare und Info-Hinweise zum Geschehen in der Ukraine und zum Verhalten ihrer „Freunde“ geben. Ich freue mich auf Ihr Interesse und Ihr aktives Mittun, sei es als Autor (Interesse bitte über frieden-fuer-syrien@gmx bekunden) oder als Kommentar.

Zitat des Tages

Entpört Euch! – Die Krim (…) gehört zu Rußland wie Vermont zu den USA.
Gabor Steingart auf der Titelseite des Handelsblattes
(Der Autor ist vom linken Denken oder/und einer Russlandfreundlichkeit weit entfernt, wie man allein aus seiner Fotostrecke unschwer erkennen kann).

Es ist nur ein Zufall, dass der „Neustart“ des Blogs zusammenfällt mit dem dritten Jahrestag des syrischen Bürgerkriegs. Deuten wir es als ein gutes Zeichen – und engagieren wir uns weit stärker als bislang, denn drei Jahre Bürgerkrieg sind mehr als genug!